50  Jahre  elektrischer Betrieb
 
 
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Berliner Zeitung  vom 25. April 1951:
Seitenende
S-Bahn nach Königs Wusterhausen
Ab 1. Mai im 20-Minuten-Verkehr  /  Elektrifizierung durchgeführt
Unser Leser Erich Krüger aus Wildau, Schwartzkopffstr. 24, schreibt uns: "Bezugnehmend auf Ihre verschiedenen Artikel über die Elektrifizierung der Strecke Grünau - Königs Wusterhausen frage ich an, ob die Züge auf dieser Strecke wirklich in 20-Minuten-Abständen fahren werden. Würde im Zentrum Berlins auf den S-Bahnhöfen der Richtungsanzeiger "Königs Wusterhausen" statt "Grünau" erscheinen und brauchte man nicht mehr in Grünau umzusteigen?"
Wir möchten Herrn Krüger noch einmal in aller Form bestätigen, daß der elektrische S-Bahn- Verkehr auf der Strecke  Königs Wusterhausen - Grünau pünktlich am 1. Mai aufgenommen wird und zwar im 20 Minuten-Verkehr. Die Reichsbahndirektion Berlin wird ihr Wort halten. Die Züge werden durchgehend zwischen Königs Wusterhausen und Spandau verkehren. Selbstverständlich braucht man dann nicht mehr in Grünau umzusteigen und ebenso selbstverständlich werden dann die Richtungsanzeiger der S-Bahn-Stationen "Königs Wusterhausen" und nicht mehr "Grünau" anzeigen.

Wer in diesen Tagen die Vorortstrecke Grünau - Königs Wusterhausen befährt, wird ebenso wie wir feststellen, daß die Arbeiten an der Elektrifizierung fieberhaft betrieben werden. Überall auf den Bahnhöfen, an den Geleisen, an den Umformern und Stellwerken werden die letzten Montagearbeiten ausgeführt. Die Streckenarbeiter der Reichsbahn und die Monteure der volkseigen Signal- und  Fernmeldebetriebe haben sich zu Arbeitsbrigaden zusammengeschlossen, um den bereits vorfristig gestellten Termin vom 1. Mai noch einmal, und zwar auf den 30. April, vorzuverlegen. Es ist deshalb anzunehmen, daß der elektrische Verkehr bereits am Montag, den 30. April, aufgenommen wird. Bis dahin gibt es noch alle Hände voll zu tun.

Auf der Strecke wurde aber nicht nur eine elektrische Betriebsanlage gebaut, sondern auch zwei neuartige Gleisbildstellwerke, die bei der Reichsbahn zum erstenmal verwendet werden und die schon auf der Leipziger Frühjahrsmesse besondere Aufmerksamkeit der Fachwelt erregten. Durch einfachen Knopfdruck können jetzt Signale und Weichen bedient werden, deren mechanische Bedienung bisher einen Kraftaufwand von 75 kg erforderte. Die Stellwerke der neuen Strecke sind für unseren volkseigenen Signalbau ein großer Erfolg, da diese Anlagen einen für uns völlig neuen Produktionszweig darstellen.
Dieser Erfolg blieb den Feinden unseres friedlichen Aufbaus nicht verborgen. Kein Wunder, daß von den Schöneberger Spaltern unserer Stadt und ihren amerikanischen Auftraggebern alles getan wurde, um die Fertigstellung der Arbeiten zu stören. Angefangen von dem Diebstahl wichtiger Signalanlagen in der Signalwerkstatt der Reichsbahn Kolonnenstraße bis zur kürzlich erfolgten Verhaftung des Signalbaudezernenten der Reichsbahndirektion Berlin, L o c k e n w i t z, wurde keine Gemeinheit unversucht gelassen. Unsere Arbeitsbrigaden blieben jedoch die Antwort nicht schuldig. Sie sagten: "Am 30. April wird der erste fahrplanmäßige elektrische S-Bahn-Zug nach Königs Wusterhausen verkehren."
Am 1. Mai, dem internationalen Feiertag der Werktätigen, wollen die Arbeiter des Streckenbaus die neue elektrische Bahnverbindung der Belegschaft des Schwerpunktbetriebes im Fünfjahrplan, den ABUS-Werken in Wildau, übergeben. Für die rund hunderttausend Anwohner der Strecke Königs Wusterhausen und Grünau, die vielen Berliner, die auf den Seen bei Zeuthen und Königs Wusterhausen ihre Boote liegen haben, oder nur in diese Gegend Ausflüge machen wollen, konnte die Reichsbahndirektion Berlin zum 1. Mai kein schöneres Geschenk finden, als die Elektrifizierung dieser Strecke. 

Der Text entstammt der Berliner Zeitung vom 25.April 1951 !


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